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Leitfaden14 Min. Lesezeit
Flagge Großbritannien

Zoll England 2026: Was kostet der Import aus Großbritannien?

Seit dem Brexit gelten Großbritannien-Importe als Drittlandseinfuhren. Zollanmeldungen, Commodity Codes und Einfuhrumsatzsteuer sind Pflicht. Dieser Leitfaden erklärt die aktuellen Zollregeln, das TCA-Freihandelsabkommen und zeigt, wie Sie die Einfuhrabgaben korrekt berechnen.

Tom Bössow
Tom Bössow·

Seit dem 1. Januar 2021 ist das Vereinigte Königreich kein EU-Mitglied mehr. Für den Warenverkehr zwischen Deutschland und Großbritannien gelten seitdem Zollformalitäten wie bei jedem anderen Drittland.

Deutschland exportierte 2025 Waren im Wert von rund 80 Milliarden Euro nach Großbritannien und importierte Waren im Wert von rund 39 Milliarden Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt, Rangfolge der Handelspartner 2025). Das Vereinigte Königreich gehört damit zu den zehn wichtigsten Exportmärkten Deutschlands.

Das Trade and Cooperation Agreement (TCA) regelt die Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Es ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen zollfreien Warenverkehr, erfordert aber den Nachweis des präferenziellen Ursprungs.

Für deutsche Unternehmen bedeutet der Brexit: Jede Einfuhr aus Großbritannien muss beim Zoll angemeldet werden. Zolltarifnummer, EORI-Nummer und korrekte Ursprungsnachweise sind Pflicht.

Hinweis

Dieser Leitfaden behandelt den Warenverkehr zwischen Deutschland und Großbritannien (England, Schottland, Wales). Für Nordirland gelten die EU-Binnenmarktregeln weiter. Privatpersonen finden Informationen zu Reisefreigrenzen auf zoll.de.

Brexit und die Folgen für den Zoll

Der Brexit hat den Warenverkehr zwischen Deutschland und Großbritannien grundlegend verändert. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede:

ThemaVor dem BrexitNach dem Brexit
Zollanmeldung
Nicht nötig (EU-Binnenmarkt)Pflicht bei jeder Einfuhr/Ausfuhr
Zolltarifnummer
Nur für Intrastat-MeldungenPflicht für Zollanmeldung
Einfuhrumsatzsteuer
Innergemeinschaftlicher Erwerb19 % EUSt bei Einfuhr fällig
Zollgebühren
KeineJe nach Ware (TCA kann 0 % ermöglichen)
EORI-Nummer
Nur für Drittlands-HandelPflicht für jeden UK-Import
Ursprungsnachweis
Nicht nötigPflicht für TCA-Zollpräferenz
CE-Kennzeichnung
Gegenseitig anerkanntUK führt eigene UKCA ein
Warenkontrollen
KeineStichproben möglich

Die wichtigste Änderung: Großbritannien gilt zollrechtlich als Drittland. Jede Warensendung zwischen Deutschland und UK braucht eine Zollanmeldung. Durch das TCA können viele Waren zollfrei eingeführt werden, wenn der Ursprung in der EU oder im UK nachgewiesen wird. Ohne Ursprungsnachweis gelten die regulären MFN-Zollsätze.

Die Einfuhrumsatzsteuer fällt in jedem Fall an, unabhängig vom Ursprung. Für viele KMU war der Brexit ein Bruch: Wo vorher eine Lieferung wie eine Inlands-Bestellung lief, brauchen Unternehmen jetzt Zollanmeldungen, HS-Codes und Transportdokumente.

Was ist ein Commodity Code?

Ein Commodity Code ist die britische Bezeichnung für die Zolltarifnummer. Das Vereinigte Königreich nutzt seit dem Brexit ein eigenes Zolltarifsystem, den UK Global Tariff. Commodity Codes klassifizieren Waren für die Zollanmeldung und bestimmen den anzuwendenden Zollsatz, Einfuhrverbote und Genehmigungspflichten.

Aufbau des Commodity Codes

StellenBezeichnungBeispiel (Baumwoll-T-Shirt)
Stellen 1–6
HS-Code (international, WZO)6109.10
Stellen 7–8
UK-spezifische Unterteilung6109.10.00
Stellen 9–10
Zusätzliche UK-Codes6109.10.00.10
Die ersten 6 Stellen sind identisch mit dem internationalen HS-Code der Weltzollorganisation (WZO) und gelten weltweit
Ab Stelle 7 unterscheidet sich das britische System vom EU-System: Die EU verwendet die Kombinierte Nomenklatur (KN) und den TARIC
Vor dem Brexit nutzte UK das EU-TARIC-System. Seit 2021 gilt der UK Global Tariff
Commodity Codes finden Sie im britischen UK Trade Tariff auf gov.uk

Commodity Code = Zolltarifnummer

Der Begriff „Commodity Code“ wird im Deutschen oft einfach als Zolltarifnummer bezeichnet. Beide Begriffe meinen das Gleiche: eine Warennummer für die zollrechtliche Einreihung. In der EU heißt es offiziell „Warennummer“ oder „Codenummer“, im UK „Commodity Code“.

Commodity Code vs. Zolltarifnummer: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

MerkmalCommodity Code (UK)Zolltarifnummer (EU/DE)
Gültigkeitsbereich
Vereinigtes KönigreichEU-Mitgliedstaaten (inkl. Deutschland)
Tarifsystem
UK Global Tariff (seit 01.01.2021)Kombinierte Nomenklatur (KN) / TARIC
Stellen 1–6
HS-Code (WZO, international identisch)HS-Code (WZO, international identisch)
Ab Stelle 7
UK-eigene UnterteilungEU Kombinierte Nomenklatur + TARIC
Gesamtlänge
10 Stellen8 (KN) / 10 (TARIC) / 11 (ATLAS)
Datenbank
UK Trade Tariff (gov.uk)EZT-Online / TARIC-Datenbank
Zollsätze
UK Global Tariff RatesEU-Gemeinsamer Zolltarif
Behörde
HMRCEU-Kommission / Nationale Zollbehörden

Was gleich ist: Die Basis. Beide Systeme bauen auf dem 6-stelligen HS-Code der Weltzollorganisation auf. Ein Baumwoll-T-Shirt hat in UK und in der EU denselben HS-Code 6109.10.

Was sich unterscheidet: Ab der 7. Stelle gehen die Systeme auseinander. Die EU verwendet die Kombinierte Nomenklatur und den TARIC mit EU-spezifischen Unterteilungen. UK hat eigene nationale Codes im UK Global Tariff.

Praxisauswirkung: Wer Waren aus UK nach Deutschland importiert, braucht für die Zollanmeldung beim deutschen Zoll die EU-Warennummer (TARIC-Code), nicht den britischen Commodity Code. Umgekehrt brauchen Exporteure nach UK den Commodity Code für die britische Zollanmeldung.

Verwechslungsgefahr

Der Commodity Code und die EU-Zolltarifnummer für dieselbe Ware können ab Stelle 7 unterschiedlich sein. Wer den britischen Commodity Code 1:1 in eine deutsche Zollanmeldung übernimmt, riskiert eine falsche Einreihung. Prüfen Sie immer die korrekte EU-Warennummer.

Welche Abgaben fallen bei der Einfuhr aus Großbritannien an?

Beim Import aus UK fallen bis zu drei Abgabenarten an:

AbgabeBerechnungsgrundlageTypische HöheBesonderheit UK
Zoll (Einfuhrzoll)
Zollwert (CIF-Wert) × Zollsatz0 % (TCA) bis 12 % (ohne)Mit Ursprungsnachweis oft 0 %
Einfuhrumsatzsteuer
(Zollwert + Zoll) × 19 %19 % (ermäßigt: 7 %)Fällt immer an, auch bei 0 % Zoll
Verbrauchsteuer
Nur bei bestimmten WarenWarenabhängigWie bei anderen Drittländern

Zoll (Einfuhrzoll)

Der große Unterschied zu anderen Drittländern: Dank TCA können viele Waren mit gültigem Ursprungsnachweis zollfrei eingeführt werden. Ohne Ursprungsnachweis gelten die MFN-Zollsätze des EU-Gemeinsamen Zolltarifs. Der Zollsatz wird durch die Zolltarifnummer bestimmt. Die korrekte 8- oder 11-stellige Warennummer ermitteln Sie im EZT-Online oder mit unserer KI-Suche.

Einfuhrumsatzsteuer (EUSt)

Die Einfuhrumsatzsteuer beträgt regulär 19 %, ermäßigt 7 % für bestimmte Waren (Lebensmittel, Bücher). Sie fällt auch dann an, wenn der Zollsatz dank TCA-Präferenz 0 % beträgt. Gewerbliche Importeure können die EUSt als Vorsteuer beim Finanzamt geltend machen.

TCA-Präferenzzoll: Der entscheidende Punkt

Das Trade and Cooperation Agreement ermöglicht Zollfreiheit für Waren mit Ursprung in der EU oder im UK. Voraussetzung: Die Ware muss die Ursprungsregeln des TCA erfüllen und ein gültiger Ursprungsnachweis muss vorliegen.

Ursprungsnachweis: Erklärung zum Ursprung auf der Handelsrechnung
Sendungen bis 6.000 EUR: Jeder Exporteur kann die Erklärung ausstellen
Über 6.000 EUR: Nur registrierte Ausführer mit REX-Nummer
Ohne Ursprungsnachweis zahlen Sie den vollen MFN-Zollsatz

Kein Automatismus

Auch wenn das TCA Zollfreiheit ermöglicht, müssen Sie den Ursprung aktiv nachweisen. Fehlt die Erklärung zum Ursprung auf der Rechnung, erhebt der Zoll den vollen Zollsatz. Fordern Sie die Ursprungserklärung immer beim britischen Lieferanten an.

Zollsätze für typische Importe aus Großbritannien

Die folgende Tabelle zeigt konkrete Zollsätze für typische UK-Importwaren:

WarengruppeBeispielHS-CodeMFN-ZollsatzMit TCA
Whisky
Scotch Single Malt2208.300,0 %0,0 %
Kfz-Teile
Bremsbeläge6813.813,7 %0,0 %
Maschinen
Turbine8411.812,7 %0,0 %
Textilien
Wollpullover6110.1112,0 %0,0 %
Pharma
Medikamente3004.900,0 %0,0 %
Chemie
Farben und Lacke3208.106,5 %0,0 %
Lebensmittel
Cheddar-Käse0406.90167,10 EUR/100 kg0,0 %
Stahl
Profilstahl7216.310,0 %0,0 %
Fahrzeuge
PKW (Benzin)8703.2310,0 %0,0 %
Elektronik
Messgerät9031.801,7 %0,0 %

Die Tabelle zeigt: Bei gültigem Ursprungsnachweis nach TCA sind die meisten Waren zollfrei. Ohne Präferenz können die MFN-Zollsätze erheblich sein, besonders bei Textilien (12 %), Fahrzeugen (10 %) und Lebensmitteln (teils spezifische Zollsätze pro kg).

Die korrekte Zolltarifnummer ist der Schlüssel: Sie bestimmt den Zollsatz und mögliche Genehmigungspflichten. Aktuelle Zollsätze prüfen Sie im EZT-Online oder über die TARIC-Datenbank der EU.

Rechenbeispiel: Einfuhrabgaben bei Import aus Großbritannien

Beispiel 1: Mit TCA-Präferenz (zollfrei)

Szenario: Ein deutsches Unternehmen importiert 200 Wollpullover aus Manchester.

Warenwert (EXW Manchester)8.000 EUR
Frachtkosten (LKW bis Köln)450 EUR
Versicherung50 EUR
Zollwert (CIF)8.500 EUR
Zollsatz (HS 6110.11, mit TCA-Präferenz)0,0 % → 0 EUR
Bemessungsgrundlage EUSt8.500 EUR
EUSt (19 %)1.615 EUR
Gesamte Einfuhrabgaben1.615 EUR

Beispiel 2: Ohne TCA-Präferenz (Ursprungsnachweis fehlt)

Gleiche Ware, aber der britische Lieferant hat keine Ursprungserklärung mitgeliefert:

Zollwert (CIF)8.500 EUR
Zollsatz (HS 6110.11, MFN ohne Präferenz)12,0 % → 1.020 EUR
Bemessungsgrundlage EUSt9.520 EUR
EUSt (19 %)1.808,80 EUR
Gesamte Einfuhrabgaben2.828,80 EUR
Ohne Ursprungsnachweis zahlen Sie in diesem Beispiel 1.213,80 EUR mehr an Einfuhrabgaben
Die Ursprungserklärung auf der Rechnung ist bares Geld wert. Fordern Sie sie bei jedem UK-Import an
Berechnen Sie Ihre konkreten Einfuhrabgaben mit unserem Zollrechner

Zoll England nach Deutschland: Schritt für Schritt

  1. Zolltarifnummer ermitteln – Bestimmen Sie die korrekte EU-Warennummer (nicht den britischen Commodity Code!). Die EU-Warennummer bestimmt Zollsatz, Genehmigungspflichten und Antidumpingmaßnahmen. Unsere KI-gestützte Suche liefert den passenden HS-Code in Sekunden.
  2. EORI-Nummer prüfen – Ohne EORI-Nummer keine Zollanmeldung. Falls noch nicht vorhanden: kostenlos beim Zoll-Portal beantragen. Bearbeitungszeit: wenige Werktage.
  3. Ursprungsnachweis anfordern – Bitten Sie Ihren britischen Lieferanten um die Erklärung zum Ursprung auf der Handelsrechnung. Nur mit diesem Nachweis können Sie die TCA-Zollpräferenz (0 % Zoll) nutzen.
  4. Einfuhrabgaben vorab kalkulieren – Berechnen Sie Zoll (0 % mit TCA, MFN-Satz ohne TCA) + 19 % EUSt. Nutzen Sie unseren Zollrechner mit voreingestelltem Herkunftsland Großbritannien.
  5. Transport organisieren – LKW-Fracht über den Eurotunnel oder die Fähre (1–3 Tage), Seefracht (3–7 Tage) oder Luftfracht (1–2 Tage). Bei LKW-Transport: Der Spediteur übernimmt in der Regel die Transitformalitäten am Eurotunnel/Hafen.
  6. Zollanmeldung abgeben – Über Ihren Spediteur oder Zollagenten im ATLAS-System. Benötigte Unterlagen: Handelsrechnung, Packliste, Frachtbrief, Ursprungserklärung, EORI-Nummer.
  7. Einfuhrabgaben zahlen und Ware entgegennehmen – EUSt und ggf. Zoll werden per Aufschubkonto oder direkt fällig. Gewerbliche Importeure ziehen die EUSt als Vorsteuer ab.
  8. Unterlagen archivieren – Zollbelege, Rechnungen, Ursprungsnachweise und Transportdokumente 10 Jahre aufbewahren (§ 147 AO).

Tipp

Berechnen Sie die Einfuhrabgaben für Ihren UK-Import direkt mit unserem Zollrechner. Das Herkunftsland Großbritannien ist voreingestellt – Sie geben nur den Warenwert und die Zolltarifnummer ein.

TCA-Freihandelsabkommen: Wann gilt Zollfreiheit?

Das Trade and Cooperation Agreement (TCA) ist das Handelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Es gilt seit dem 1. Januar 2021 und ermöglicht für Ursprungswaren eine vollständige Zollfreiheit – ohne Zollkontingente.

Voraussetzungen für Zollpräferenz

Die Ware muss ihren Ursprung in der EU oder im UK haben (im Sinne der TCA-Ursprungsregeln)
Ursprung bedeutet nicht nur versendet aus UK. Die Ware muss in der EU oder in UK hergestellt oder ausreichend be-/verarbeitet worden sein
Ein gültiger Ursprungsnachweis muss vorliegen: Erklärung zum Ursprung auf der Handelsrechnung
Bei Sendungswert über 6.000 EUR: Der Exporteur muss als registrierter Ausführer (REX) registriert sein
Bei Sendungswert bis 6.000 EUR: Jeder Exporteur kann die Erklärung ausstellen

Wann gilt die Präferenz NICHT?

Ware wurde nur durch UK durchgehandelt (Transithandel), aber in einem Drittland hergestellt
Ware aus China über UK nach Deutschland importiert: kein UK-Ursprung, kein Präferenzzollsatz
Keine Erklärung zum Ursprung auf der Rechnung vorhanden
Die Ursprungsregeln sind nicht erfüllt (z. B. zu geringer Wertschöpfungsanteil in UK)

Achtung: Transithandel

Nur weil eine Ware aus Großbritannien versendet wird, hat sie nicht automatisch UK-Ursprung. Waren die in China hergestellt und über ein britisches Lager nach Deutschland geliefert werden, profitieren nicht vom TCA. Es gelten die regulären MFN-Zollsätze.

Dokumente und Voraussetzungen für den UK-Import

Pflichtdokumente

EORI-Nummer
EU-EORI für den deutschen Importeur. Registrierung kostenlos über das Zoll-Portal.
Handelsrechnung
Commercial Invoice mit Warenbeschreibung, Wert, Incoterms, Ursprungsland, ggf. Erklärung zum Ursprung.
Packliste
Detaillierte Aufstellung je Packstück.
Frachtbrief
CMR (LKW), B/L (See) oder AWB (Luft).
Zolltarifnummer
Die korrekte 8- oder 11-stellige EU-Warennummer für die deutsche Zollanmeldung.
Zollanmeldung (ATLAS)
Elektronisch über das ATLAS-System.
Erklärung zum Ursprung
Auf der Handelsrechnung, für TCA-Zollpräferenz.

Je nach Ware zusätzlich

CE-Kennzeichnung / UKCA-Kennzeichnung – Produkte für den EU-Markt brauchen CE
Konformitätserklärung – Nachweis der EU-Normenkonformität
Einfuhrgenehmigung – Bei Waffen, Dual-Use-Gütern, bestimmten Lebensmitteln
Pflanzenschutzzeugnis – Bei pflanzlichen Produkten
Veterinärzeugnis – Bei tierischen Erzeugnissen (Fleisch, Milchprodukte)

EORI-Nummer prüfen

Seit dem Brexit brauchen britische Exporteure bei Sendungen in die EU eine GB-EORI-Nummer, deutsche Importeure eine EU-EORI-Nummer. Prüfen Sie die EORI-Nummer Ihres britischen Lieferanten über unseren EORI-Nummern-Prüfer.

Häufige Fehler beim Import aus Großbritannien

FehlerFolgeVermeidung
Britischen Commodity Code statt EU-Warennummer verwenden
Falsche Einreihung, NacherhebungFür die deutsche Anmeldung immer die EU-Zolltarifnummer ermitteln
Ursprungsnachweis nicht angefordert
Voller MFN-Zollsatz statt 0 %Erklärung zum Ursprung auf jeder Rechnung verlangen
Nordirland wie Drittland behandeln
Unnötige Zollanmeldung und KostenNordirland = EU-Binnenmarkt (Windsor Framework)
Drittland-Ware über UK: TCA beantragt
Strafrechtliche KonsequenzenTCA nur für echte UK-Ursprungswaren
Keine EORI-Nummer beantragt
Zollanmeldung wird abgelehntRechtzeitig über zoll-portal.de beantragen
Nur UKCA-Kennzeichnung (kein CE)
Ware darf nicht in der EU verkauft werdenCE-Kennzeichnung vom Lieferanten verlangen
Verbrauchsteuerpflichtige Waren nicht gemeldet
Nachzahlung + OrdnungswidrigkeitBei Alkohol, Tabak: Verbrauchsteuer prüfen

Sonderfall: Export von Deutschland nach Großbritannien

Beim Export nach Großbritannien brauchen deutsche Unternehmen ab einem Warenwert von 1.000 EUR eine elektronische Ausfuhranmeldung (über ATLAS-Ausfuhr). Der britische Importeur muss bei HMRC die Einfuhranmeldung abgeben und den Commodity Code (nicht die EU-Warennummer!) verwenden.

Für die Zollpräferenz nach TCA stellt der deutsche Exporteur eine Erklärung zum Ursprung auf der Handelsrechnung aus. Bei Sendungen über 6.000 EUR muss der Exporteur als registrierter Ausführer (REX) registriert sein.

UK hat die UKCA-Kennzeichnung eingeführt. Produkte für den britischen Markt müssen ggf. UKCA statt (oder zusätzlich zu) CE tragen. Die Fristen wurden mehrfach verlängert – prüfen Sie den aktuellen Stand auf gov.uk (UKCA Marking Guidance).

Pflichten des deutschen Exporteurs

Ausfuhranmeldung (ab 1.000 EUR Warenwert)
Erklärung zum Ursprung auf der Rechnung (für Zollpräferenz)
Commodity Code des Produkts kennen (für den britischen Importeur)
UKCA-Anforderungen des Produkts prüfen
Bei Dual-Use-Gütern: Exportgenehmigung einholen

Bei Dual-Use-Gütern ist zusätzlich eine Exportgenehmigung erforderlich. Informieren Sie sich über die aktuellen Bestimmungen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Fazit

Zusammenfassung: Import aus Großbritannien richtig abwickeln

Seit dem Brexit ist Großbritannien zollrechtlich ein Drittland. Dank des TCA-Freihandelsabkommens können Sie viele Waren zollfrei importieren, wenn der Ursprungsnachweis vorliegt. Ohne Nachweis zahlen Sie den vollen MFN-Zollsatz. Die korrekte EU-Zolltarifnummer (nicht der britische Commodity Code!) ist entscheidend für die Zollanmeldung. Prüfen Sie bei jedem UK-Import: Ursprungserklärung vorhanden? EU-Warennummer korrekt? EUSt einkalkuliert?

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Über den Autor

Tom Bössow
Tom Bössow

Gründer von zolltarifnummer.com

Tom bringt über fünf Jahre Erfahrung im Logistik- und Speditionswesen mit und entwickelt KI-gestützte Lösungen für die Zolltarifierung. Er hilft Unternehmen, die richtigen Zolltarifnummern zu finden und Importprozesse zu optimieren.

Häufige Fragen

FAQ zum Zoll bei Import aus Großbritannien

Wie hoch ist der Zoll bei Import aus England nach Deutschland?

Mit einem gültigen Ursprungsnachweis nach dem TCA-Freihandelsabkommen beträgt der Zoll für die meisten Waren 0 %. Ohne Ursprungsnachweis gelten die regulären MFN-Zollsätze des EU-Gemeinsamen Zolltarifs, die je nach Ware erheblich variieren. Zusätzlich fällt immer 19 % Einfuhrumsatzsteuer an.

Was ist ein Commodity Code und wie unterscheidet er sich von der Zolltarifnummer?

Ein Commodity Code ist die britische Bezeichnung für die Zolltarifnummer. Die ersten 6 Stellen (HS-Code) sind international identisch. Ab Stelle 7 unterscheiden sich das britische System (UK Global Tariff) und das EU-System (Kombinierte Nomenklatur / TARIC). Für die Zollanmeldung in Deutschland verwenden Sie die EU-Warennummer, nicht den britischen Commodity Code.

Wie finde ich den richtigen Commodity Code für mein Produkt?

Den britischen Commodity Code finden Sie im UK Trade Tariff auf gov.uk. Die EU-Zolltarifnummer für die Einfuhr nach Deutschland ermitteln Sie im EZT-Online, in der TARIC-Datenbank oder mit der KI-gestützten Suche auf zolltarifnummer.com. Geben Sie Ihre Produktbeschreibung ein und erhalten Sie die passende Warennummer.

Brauche ich eine EORI-Nummer für den Import aus Großbritannien?

Ja, eine EU-EORI-Nummer ist Pflicht für jede Zollanmeldung bei der Einfuhr aus Großbritannien. Sie beantragen die Nummer kostenlos über das Zoll-Portal (zoll-portal.de). Die Bearbeitung dauert in der Regel wenige Werktage. Ihr britischer Lieferant braucht seinerseits eine GB-EORI-Nummer.

Gilt das TCA-Freihandelsabkommen automatisch?

Nein. Die Zollpräferenz von 0 % gilt nur, wenn die Ware ihren Ursprung in der EU oder im UK hat und ein gültiger Ursprungsnachweis vorliegt. Den Nachweis erbringt der britische Exporteur durch eine Erklärung zum Ursprung auf der Handelsrechnung. Ohne diesen Nachweis erhebt der Zoll den vollen MFN-Zollsatz.

Welche Dokumente brauche ich für den Import aus Großbritannien?

Pflichtdokumente: EORI-Nummer, Handelsrechnung mit Ursprungserklärung, Packliste, Frachtbrief und die korrekte EU-Zolltarifnummer. Je nach Ware zusätzlich: CE-Konformitätserklärung, Pflanzenschutzzeugnis, Veterinärzeugnis oder Einfuhrgenehmigungen.

Gilt Nordirland als EU oder als Drittland?

Nordirland gehört zollrechtlich zum EU-Binnenmarkt (Windsor Framework, vormals Nordirland-Protokoll). Waren aus Nordirland werden wie EU-Waren behandelt – keine Zollanmeldung, kein Einfuhrzoll. Der ISO-Ländercode für Nordirland im Zollkontext lautet XI (statt GB).

Was passiert wenn der Ursprungsnachweis fehlt?

Ohne Erklärung zum Ursprung auf der Handelsrechnung kann der deutsche Zoll keine TCA-Präferenz gewähren. Es wird der volle MFN-Zollsatz erhoben, der je nach Ware 0 % bis über 12 % betragen kann. Bei Textilien, Fahrzeugen und Lebensmitteln kann das die Kosten erheblich steigen lassen.

Kann ich die Einfuhrumsatzsteuer als Vorsteuer abziehen?

Ja, gewerbliche Importeure mit Vorsteuerabzugsberechtigung können die gezahlte Einfuhrumsatzsteuer (19 %) in der Umsatzsteuer-Voranmeldung als Vorsteuer geltend machen. Der Einfuhrzoll selbst ist dagegen nicht als Vorsteuer abziehbar und bleibt ein echter Kostenfaktor.

Wie berechne ich die Einfuhrabgaben für Waren aus Großbritannien?

Die Formel: Zollwert (Warenwert + Fracht + Versicherung) x Zollsatz = Zollbetrag. Dann: (Zollwert + Zollbetrag) x 19 % = EUSt. Nutzen Sie unseren Zollrechner mit voreingestelltem Herkunftsland GB für eine sofortige Berechnung.

Was ist der Unterschied zwischen UKCA und CE-Kennzeichnung?

CE ist die EU-Konformitätskennzeichnung für den europäischen Markt. UKCA (UK Conformity Assessed) ist das britische Pendant für den britischen Markt. Für den Import nach Deutschland brauchen Produkte die CE-Kennzeichnung. Eine UKCA-Kennzeichnung allein reicht nicht für den EU-Markt.

Muss ich bei der Ausfuhr nach Großbritannien eine Zollanmeldung abgeben?

Ja, ab einem Warenwert von 1.000 EUR ist eine elektronische Ausfuhranmeldung über das ATLAS-System Pflicht. Unter 1.000 EUR können Waren in der Regel ohne Ausfuhranmeldung nach Großbritannien exportiert werden, sofern keine besonderen Genehmigungspflichten bestehen.

Zolltarifnummer für Ihren Großbritannien-Import finden

Unsere KI analysiert Ihr Produkt und liefert die passende EU-Zolltarifnummer in Sekunden – mit Zollsatz, TCA-Präferenzinfo und offiziellen Quellen.