Seit dem 1. Januar 2021 ist das Vereinigte Königreich kein EU-Mitglied mehr. Für den Warenverkehr zwischen Deutschland und Großbritannien gelten seitdem Zollformalitäten wie bei jedem anderen Drittland.
Deutschland exportierte 2025 Waren im Wert von rund 80 Milliarden Euro nach Großbritannien und importierte Waren im Wert von rund 39 Milliarden Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt, Rangfolge der Handelspartner 2025). Das Vereinigte Königreich gehört damit zu den zehn wichtigsten Exportmärkten Deutschlands.
Das Trade and Cooperation Agreement (TCA) regelt die Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Es ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen zollfreien Warenverkehr, erfordert aber den Nachweis des präferenziellen Ursprungs.
Für deutsche Unternehmen bedeutet der Brexit: Jede Einfuhr aus Großbritannien muss beim Zoll angemeldet werden. Zolltarifnummer, EORI-Nummer und korrekte Ursprungsnachweise sind Pflicht.
Hinweis
Brexit und die Folgen für den Zoll
Der Brexit hat den Warenverkehr zwischen Deutschland und Großbritannien grundlegend verändert. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede:
| Thema | Vor dem Brexit | Nach dem Brexit |
|---|---|---|
Zollanmeldung | Nicht nötig (EU-Binnenmarkt) | Pflicht bei jeder Einfuhr/Ausfuhr |
Zolltarifnummer | Nur für Intrastat-Meldungen | Pflicht für Zollanmeldung |
Einfuhrumsatzsteuer | Innergemeinschaftlicher Erwerb | 19 % EUSt bei Einfuhr fällig |
Zollgebühren | Keine | Je nach Ware (TCA kann 0 % ermöglichen) |
EORI-Nummer | Nur für Drittlands-Handel | Pflicht für jeden UK-Import |
Ursprungsnachweis | Nicht nötig | Pflicht für TCA-Zollpräferenz |
CE-Kennzeichnung | Gegenseitig anerkannt | UK führt eigene UKCA ein |
Warenkontrollen | Keine | Stichproben möglich |
Die wichtigste Änderung: Großbritannien gilt zollrechtlich als Drittland. Jede Warensendung zwischen Deutschland und UK braucht eine Zollanmeldung. Durch das TCA können viele Waren zollfrei eingeführt werden, wenn der Ursprung in der EU oder im UK nachgewiesen wird. Ohne Ursprungsnachweis gelten die regulären MFN-Zollsätze.
Die Einfuhrumsatzsteuer fällt in jedem Fall an, unabhängig vom Ursprung. Für viele KMU war der Brexit ein Bruch: Wo vorher eine Lieferung wie eine Inlands-Bestellung lief, brauchen Unternehmen jetzt Zollanmeldungen, HS-Codes und Transportdokumente.
Was ist ein Commodity Code?
Ein Commodity Code ist die britische Bezeichnung für die Zolltarifnummer. Das Vereinigte Königreich nutzt seit dem Brexit ein eigenes Zolltarifsystem, den UK Global Tariff. Commodity Codes klassifizieren Waren für die Zollanmeldung und bestimmen den anzuwendenden Zollsatz, Einfuhrverbote und Genehmigungspflichten.
Aufbau des Commodity Codes
| Stellen | Bezeichnung | Beispiel (Baumwoll-T-Shirt) |
|---|---|---|
Stellen 1–6 | HS-Code (international, WZO) | 6109.10 |
Stellen 7–8 | UK-spezifische Unterteilung | 6109.10.00 |
Stellen 9–10 | Zusätzliche UK-Codes | 6109.10.00.10 |
Commodity Code = Zolltarifnummer
Commodity Code vs. Zolltarifnummer: Unterschiede und Gemeinsamkeiten
| Merkmal | Commodity Code (UK) | Zolltarifnummer (EU/DE) |
|---|---|---|
Gültigkeitsbereich | Vereinigtes Königreich | EU-Mitgliedstaaten (inkl. Deutschland) |
Tarifsystem | UK Global Tariff (seit 01.01.2021) | Kombinierte Nomenklatur (KN) / TARIC |
Stellen 1–6 | HS-Code (WZO, international identisch) | HS-Code (WZO, international identisch) |
Ab Stelle 7 | UK-eigene Unterteilung | EU Kombinierte Nomenklatur + TARIC |
Gesamtlänge | 10 Stellen | 8 (KN) / 10 (TARIC) / 11 (ATLAS) |
Datenbank | UK Trade Tariff (gov.uk) | EZT-Online / TARIC-Datenbank |
Zollsätze | UK Global Tariff Rates | EU-Gemeinsamer Zolltarif |
Behörde | HMRC | EU-Kommission / Nationale Zollbehörden |
Was gleich ist: Die Basis. Beide Systeme bauen auf dem 6-stelligen HS-Code der Weltzollorganisation auf. Ein Baumwoll-T-Shirt hat in UK und in der EU denselben HS-Code 6109.10.
Was sich unterscheidet: Ab der 7. Stelle gehen die Systeme auseinander. Die EU verwendet die Kombinierte Nomenklatur und den TARIC mit EU-spezifischen Unterteilungen. UK hat eigene nationale Codes im UK Global Tariff.
Praxisauswirkung: Wer Waren aus UK nach Deutschland importiert, braucht für die Zollanmeldung beim deutschen Zoll die EU-Warennummer (TARIC-Code), nicht den britischen Commodity Code. Umgekehrt brauchen Exporteure nach UK den Commodity Code für die britische Zollanmeldung.
Verwechslungsgefahr
Welche Abgaben fallen bei der Einfuhr aus Großbritannien an?
Beim Import aus UK fallen bis zu drei Abgabenarten an:
| Abgabe | Berechnungsgrundlage | Typische Höhe | Besonderheit UK |
|---|---|---|---|
Zoll (Einfuhrzoll) | Zollwert (CIF-Wert) × Zollsatz | 0 % (TCA) bis 12 % (ohne) | Mit Ursprungsnachweis oft 0 % |
Einfuhrumsatzsteuer | (Zollwert + Zoll) × 19 % | 19 % (ermäßigt: 7 %) | Fällt immer an, auch bei 0 % Zoll |
Verbrauchsteuer | Nur bei bestimmten Waren | Warenabhängig | Wie bei anderen Drittländern |
Zoll (Einfuhrzoll)
Der große Unterschied zu anderen Drittländern: Dank TCA können viele Waren mit gültigem Ursprungsnachweis zollfrei eingeführt werden. Ohne Ursprungsnachweis gelten die MFN-Zollsätze des EU-Gemeinsamen Zolltarifs. Der Zollsatz wird durch die Zolltarifnummer bestimmt. Die korrekte 8- oder 11-stellige Warennummer ermitteln Sie im EZT-Online oder mit unserer KI-Suche.
Einfuhrumsatzsteuer (EUSt)
Die Einfuhrumsatzsteuer beträgt regulär 19 %, ermäßigt 7 % für bestimmte Waren (Lebensmittel, Bücher). Sie fällt auch dann an, wenn der Zollsatz dank TCA-Präferenz 0 % beträgt. Gewerbliche Importeure können die EUSt als Vorsteuer beim Finanzamt geltend machen.
TCA-Präferenzzoll: Der entscheidende Punkt
Das Trade and Cooperation Agreement ermöglicht Zollfreiheit für Waren mit Ursprung in der EU oder im UK. Voraussetzung: Die Ware muss die Ursprungsregeln des TCA erfüllen und ein gültiger Ursprungsnachweis muss vorliegen.
Kein Automatismus
Zollsätze für typische Importe aus Großbritannien
Die folgende Tabelle zeigt konkrete Zollsätze für typische UK-Importwaren:
| Warengruppe | Beispiel | HS-Code | MFN-Zollsatz | Mit TCA |
|---|---|---|---|---|
Whisky | Scotch Single Malt | 2208.30 | 0,0 % | 0,0 % |
Kfz-Teile | Bremsbeläge | 6813.81 | 3,7 % | 0,0 % |
Maschinen | Turbine | 8411.81 | 2,7 % | 0,0 % |
Textilien | Wollpullover | 6110.11 | 12,0 % | 0,0 % |
Pharma | Medikamente | 3004.90 | 0,0 % | 0,0 % |
Chemie | Farben und Lacke | 3208.10 | 6,5 % | 0,0 % |
Lebensmittel | Cheddar-Käse | 0406.90 | 167,10 EUR/100 kg | 0,0 % |
Stahl | Profilstahl | 7216.31 | 0,0 % | 0,0 % |
Fahrzeuge | PKW (Benzin) | 8703.23 | 10,0 % | 0,0 % |
Elektronik | Messgerät | 9031.80 | 1,7 % | 0,0 % |
Die Tabelle zeigt: Bei gültigem Ursprungsnachweis nach TCA sind die meisten Waren zollfrei. Ohne Präferenz können die MFN-Zollsätze erheblich sein, besonders bei Textilien (12 %), Fahrzeugen (10 %) und Lebensmitteln (teils spezifische Zollsätze pro kg).
Die korrekte Zolltarifnummer ist der Schlüssel: Sie bestimmt den Zollsatz und mögliche Genehmigungspflichten. Aktuelle Zollsätze prüfen Sie im EZT-Online oder über die TARIC-Datenbank der EU.
Rechenbeispiel: Einfuhrabgaben bei Import aus Großbritannien
Beispiel 1: Mit TCA-Präferenz (zollfrei)
Szenario: Ein deutsches Unternehmen importiert 200 Wollpullover aus Manchester.
| Warenwert (EXW Manchester) | 8.000 EUR |
| Frachtkosten (LKW bis Köln) | 450 EUR |
| Versicherung | 50 EUR |
| Zollwert (CIF) | 8.500 EUR |
| Zollsatz (HS 6110.11, mit TCA-Präferenz) | 0,0 % → 0 EUR |
| Bemessungsgrundlage EUSt | 8.500 EUR |
| EUSt (19 %) | 1.615 EUR |
| Gesamte Einfuhrabgaben | 1.615 EUR |
Beispiel 2: Ohne TCA-Präferenz (Ursprungsnachweis fehlt)
Gleiche Ware, aber der britische Lieferant hat keine Ursprungserklärung mitgeliefert:
| Zollwert (CIF) | 8.500 EUR |
| Zollsatz (HS 6110.11, MFN ohne Präferenz) | 12,0 % → 1.020 EUR |
| Bemessungsgrundlage EUSt | 9.520 EUR |
| EUSt (19 %) | 1.808,80 EUR |
| Gesamte Einfuhrabgaben | 2.828,80 EUR |
Zoll England nach Deutschland: Schritt für Schritt
- Zolltarifnummer ermitteln – Bestimmen Sie die korrekte EU-Warennummer (nicht den britischen Commodity Code!). Die EU-Warennummer bestimmt Zollsatz, Genehmigungspflichten und Antidumpingmaßnahmen. Unsere KI-gestützte Suche liefert den passenden HS-Code in Sekunden.
- EORI-Nummer prüfen – Ohne EORI-Nummer keine Zollanmeldung. Falls noch nicht vorhanden: kostenlos beim Zoll-Portal beantragen. Bearbeitungszeit: wenige Werktage.
- Ursprungsnachweis anfordern – Bitten Sie Ihren britischen Lieferanten um die Erklärung zum Ursprung auf der Handelsrechnung. Nur mit diesem Nachweis können Sie die TCA-Zollpräferenz (0 % Zoll) nutzen.
- Einfuhrabgaben vorab kalkulieren – Berechnen Sie Zoll (0 % mit TCA, MFN-Satz ohne TCA) + 19 % EUSt. Nutzen Sie unseren Zollrechner mit voreingestelltem Herkunftsland Großbritannien.
- Transport organisieren – LKW-Fracht über den Eurotunnel oder die Fähre (1–3 Tage), Seefracht (3–7 Tage) oder Luftfracht (1–2 Tage). Bei LKW-Transport: Der Spediteur übernimmt in der Regel die Transitformalitäten am Eurotunnel/Hafen.
- Zollanmeldung abgeben – Über Ihren Spediteur oder Zollagenten im ATLAS-System. Benötigte Unterlagen: Handelsrechnung, Packliste, Frachtbrief, Ursprungserklärung, EORI-Nummer.
- Einfuhrabgaben zahlen und Ware entgegennehmen – EUSt und ggf. Zoll werden per Aufschubkonto oder direkt fällig. Gewerbliche Importeure ziehen die EUSt als Vorsteuer ab.
- Unterlagen archivieren – Zollbelege, Rechnungen, Ursprungsnachweise und Transportdokumente 10 Jahre aufbewahren (§ 147 AO).
Tipp
TCA-Freihandelsabkommen: Wann gilt Zollfreiheit?
Das Trade and Cooperation Agreement (TCA) ist das Handelsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Es gilt seit dem 1. Januar 2021 und ermöglicht für Ursprungswaren eine vollständige Zollfreiheit – ohne Zollkontingente.
Voraussetzungen für Zollpräferenz
Wann gilt die Präferenz NICHT?
Achtung: Transithandel
Dokumente und Voraussetzungen für den UK-Import
Pflichtdokumente
EORI-Nummer | EU-EORI für den deutschen Importeur. Registrierung kostenlos über das Zoll-Portal. |
Handelsrechnung | Commercial Invoice mit Warenbeschreibung, Wert, Incoterms, Ursprungsland, ggf. Erklärung zum Ursprung. |
Packliste | Detaillierte Aufstellung je Packstück. |
Frachtbrief | CMR (LKW), B/L (See) oder AWB (Luft). |
Zolltarifnummer | Die korrekte 8- oder 11-stellige EU-Warennummer für die deutsche Zollanmeldung. |
Zollanmeldung (ATLAS) | Elektronisch über das ATLAS-System. |
Erklärung zum Ursprung | Auf der Handelsrechnung, für TCA-Zollpräferenz. |
Je nach Ware zusätzlich
EORI-Nummer prüfen
Häufige Fehler beim Import aus Großbritannien
| Fehler | Folge | Vermeidung |
|---|---|---|
Britischen Commodity Code statt EU-Warennummer verwenden | Falsche Einreihung, Nacherhebung | Für die deutsche Anmeldung immer die EU-Zolltarifnummer ermitteln |
Ursprungsnachweis nicht angefordert | Voller MFN-Zollsatz statt 0 % | Erklärung zum Ursprung auf jeder Rechnung verlangen |
Nordirland wie Drittland behandeln | Unnötige Zollanmeldung und Kosten | Nordirland = EU-Binnenmarkt (Windsor Framework) |
Drittland-Ware über UK: TCA beantragt | Strafrechtliche Konsequenzen | TCA nur für echte UK-Ursprungswaren |
Keine EORI-Nummer beantragt | Zollanmeldung wird abgelehnt | Rechtzeitig über zoll-portal.de beantragen |
Nur UKCA-Kennzeichnung (kein CE) | Ware darf nicht in der EU verkauft werden | CE-Kennzeichnung vom Lieferanten verlangen |
Verbrauchsteuerpflichtige Waren nicht gemeldet | Nachzahlung + Ordnungswidrigkeit | Bei Alkohol, Tabak: Verbrauchsteuer prüfen |
Sonderfall: Export von Deutschland nach Großbritannien
Beim Export nach Großbritannien brauchen deutsche Unternehmen ab einem Warenwert von 1.000 EUR eine elektronische Ausfuhranmeldung (über ATLAS-Ausfuhr). Der britische Importeur muss bei HMRC die Einfuhranmeldung abgeben und den Commodity Code (nicht die EU-Warennummer!) verwenden.
Für die Zollpräferenz nach TCA stellt der deutsche Exporteur eine Erklärung zum Ursprung auf der Handelsrechnung aus. Bei Sendungen über 6.000 EUR muss der Exporteur als registrierter Ausführer (REX) registriert sein.
UK hat die UKCA-Kennzeichnung eingeführt. Produkte für den britischen Markt müssen ggf. UKCA statt (oder zusätzlich zu) CE tragen. Die Fristen wurden mehrfach verlängert – prüfen Sie den aktuellen Stand auf gov.uk (UKCA Marking Guidance).
Pflichten des deutschen Exporteurs
Bei Dual-Use-Gütern ist zusätzlich eine Exportgenehmigung erforderlich. Informieren Sie sich über die aktuellen Bestimmungen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).
Fazit
Zusammenfassung: Import aus Großbritannien richtig abwickeln
Seit dem Brexit ist Großbritannien zollrechtlich ein Drittland. Dank des TCA-Freihandelsabkommens können Sie viele Waren zollfrei importieren, wenn der Ursprungsnachweis vorliegt. Ohne Nachweis zahlen Sie den vollen MFN-Zollsatz. Die korrekte EU-Zolltarifnummer (nicht der britische Commodity Code!) ist entscheidend für die Zollanmeldung. Prüfen Sie bei jedem UK-Import: Ursprungserklärung vorhanden? EU-Warennummer korrekt? EUSt einkalkuliert?
Über den Autor

Gründer von zolltarifnummer.com
Tom bringt über fünf Jahre Erfahrung im Logistik- und Speditionswesen mit und entwickelt KI-gestützte Lösungen für die Zolltarifierung. Er hilft Unternehmen, die richtigen Zolltarifnummern zu finden und Importprozesse zu optimieren.