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Leitfaden14 Min. Lesezeit
Flagge Norwegen

Zoll Norwegen 2026: Was kostet Import und Export mit Norwegen?

Norwegen gehört zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), ist aber kein EU-Mitglied. Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Industriewaren können dank EWR-Abkommen zollfrei gehandelt werden, für Agrarprodukte und Fisch gelten Sonderregeln. Dieser Leitfaden erklärt die Zollabwicklung, Präferenznachweise und Einfuhrabgaben im Handel zwischen Deutschland und Norwegen.

Tom Bössow
Tom Bössow·

Deutschland exportierte 2024 Waren im Wert von rund 9 Milliarden Euro nach Norwegen. Importe – vor allem Öl, Gas und Fisch – lagen bei über 20 Milliarden Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt). Norwegen ist EFTA-Gründungsmitglied und seit 1994 Teil des EWR. Im EWR gelten die vier Freiheiten des Binnenmarkts, aber keine gemeinsame Zollunion wie in der EU.

Das heißt: Grenzformalitäten, Zollanmeldungen und Ursprungsnachweise sind trotz EWR nötig. Für Industriewaren mit EWR-Ursprung gilt Zollfreiheit, für Agrarprodukte und Fisch schützt Norwegen seinen Heimatmarkt mit hohen Zöllen. Dieser Leitfaden richtet sich an Unternehmen, die gewerblich mit Norwegen handeln – vom Erstexporteur bis zum erfahrenen Einkäufer.

EWR und Zollunion

Norwegen ist nicht in der EU, aber im EWR. Der EWR umfasst die 27 EU-Staaten plus Island, Liechtenstein und Norwegen. Anders als in der EU gibt es im EWR keine Zollunion – Waren müssen an der Grenze angemeldet und verzollt werden, auch wenn sie zollfrei sind.

Norwegen, EWR und EFTA: Was bedeutet das für den Zoll?

Der zentrale Unterschied zwischen EU-Binnenhandel und EWR-Handel lässt sich am besten in einer direkten Gegenüberstellung verdeutlichen:

MerkmalEU-Mitglied (z. B. Frankreich)EWR (Norwegen)Drittland (z. B. China)
Gemeinsame Zollunion
JaNeinNein
Warenverkehrsfreiheit
Ja (vollständig)Teilweise (Industriewaren)Nein
Zollanmeldung nötig
NeinJaJa
Ausfuhranmeldung nötig
NeinJaJa
Zollsatz Industriewaren
0 % (kein Zoll)0 % (mit Präferenznachweis)Je nach Tarif
Zollsatz Agrarprodukte
0 % (Binnenmarkt)Hoch (Schutz Heimatmarkt)Je nach Tarif
Ursprungsnachweis nötig
NeinJa (EUR.1 / Erklärung)Ggf. (FHA)

EWR-Abkommen – die wichtigsten Eckpunkte

Seit 1. Januar 1994 in Kraft – Industriewaren mit EWR-Ursprung sind beidseitig zollfrei
Agrarprodukte und Fisch sind NICHT vollständig vom Abkommen erfasst – bilaterale Zollkontingente gelten
Der gemeinsame Zolltarif der EU gilt NICHT für Norwegen – Norwegen hat einen eigenen Zolltarif (Tolltariffen)
Technische Vorschriften, Normen und gegenseitige Anerkennung sind weitgehend harmonisiert

EFTA-Mitgliedschaft

EFTA steht für European Free Trade Association und umfasst Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Die Schweiz ist EFTA-Mitglied, aber nicht im EWR – deshalb gelten für Norwegen andere Regeln als für die Schweiz. EFTA-Staaten im EWR übernehmen EU-Binnenmarktrecht, ohne an der Gesetzgebung beteiligt zu sein.

Praxisrelevanz

Für den Export von Maschinen, Elektronik, Chemie oder Fahrzeugen nach Norwegen zahlen Sie keinen Zoll – vorausgesetzt Sie weisen den EWR-Ursprung der Ware nach. Agrarprodukte wie Milch, Fleisch oder Getreide unterliegen dagegen hohen norwegischen Schutzzöllen.

Welche Abgaben fallen im Handel mit Norwegen an?

Im Handel mit Norwegen fallen je nach Richtung und Warengruppe unterschiedliche Abgaben an. Die folgende Übersicht trennt Export und Import:

A) Export aus Deutschland nach Norwegen (Einfuhr in Norwegen)

AbgabeBerechnungTypische HöheRechtsgrundlage
Zoll (Einfuhrzoll)
Zollwert × Zollsatz0 % für EWR-Industriewaren, bis 400 % für AgrarNorwegischer Zolltarif (Tolltariffen)
MVA (Merverdiavgift)
(Zollwert + Zoll + Verbrauchsteuer) × MVA-Satz25 % (Standard), 15 % (Lebensmittel), 12 % (Hotel, Kino)Merverdiavgiftsloven
Besondere Abgaben
Je nach WareVariabel (Zucker, Alkohol, Tabak, Schokolade)Særavgiftsloven

B) Import aus Norwegen nach Deutschland (Einfuhr in die EU)

AbgabeBerechnungTypische HöheRechtsgrundlage
Zoll (Einfuhrzoll)
Zollwert × Zollsatz0 % für EWR-Industriewaren (mit Präferenznachweis)Gemeinsamer Zolltarif der EU (TARIC)
(Zollwert + Zoll) × 19 %19 % (ermäßigt 7 %)§ 1 Abs. 1 Nr. 4 UStG, § 21 UStG
Verbrauchsteuer
Nur bei bestimmten WarenWarenabhängigJeweiliges Verbrauchsteuergesetz

Bei Industriewaren mit korrektem Präferenznachweis fällt in beide Richtungen kein Zoll an. Trotzdem sind die Grenzformalitäten (Anmeldung, Dokumente) wie bei einem Drittland zu behandeln. Die norwegische MVA von 25 % liegt über der deutschen USt von 19 % – das beeinflusst die Kalkulation beim Export. Gewerbliche Importeure in Deutschland können die EUSt als Vorsteuer abziehen.

Achtung bei Agrarprodukten

Norwegens Schutzzölle auf Fleisch, Milchprodukte, Getreide und verarbeitete Lebensmittel können über 100 % betragen. Prüfen Sie den norwegischen Zolltarif, bevor Sie Lebensmittel nach Norwegen exportieren.

Zollsätze: Was ist zollfrei, was nicht?

Der zentrale Unterschied zu reinen Drittstaaten: Für über 90 % des Handelsvolumens zwischen Deutschland und Norwegen fällt kein Zoll an. Die korrekte Zolltarifnummer bestimmt, ob die Ware als Industrieware eingestuft wird.

Zollfreie Waren (EWR-Präferenz, Industriewaren)

WarengruppeBeispielHS-CodeZoll NO (Präf.)Zoll EU (Präf.)
Maschinen
CNC-Fräsmaschine8459.610 %0 %
Fahrzeuge
PKW8703.230 %0 %
Chemie
Industriechemikalie2902.200 %0 %
Elektronik
Messgerät9030.330 %0 %
Möbel
Bürostuhl9401.300 %0 %
Stahl
Stahlträger7216.330 %0 %
Kunststoff
Kunststoffrohr3917.320 %0 %

Waren mit Zoll (Agrarprodukte, Fisch – Sonderregelungen)

WarengruppeBeispielZollsatz in NorwegenAnmerkung
Fleisch (Rind)
Gefrorenes RindfleischBis zu 344 %Kontingente möglich
Milchprodukte
Käse27,16 NOK/kg + %Kontingente für EU-Käse
Getreide
WeizenVariabel, hochSaisonale Zollsätze
Zucker & Süßwaren
Schokolade5,52 NOK/kg + %Plus Zuckersteuer
Fisch (Import EU)
Lachs aus Norwegen0–2 % (Kontingent)Zollkontingente EU
Fisch (Import NO)
Verarbeiteter FischVariabelTeilweise zollfrei

Bei Agrarprodukten lohnt sich die Prüfung auf Zollkontingente (begrenzte Mengen zu reduziertem Zollsatz). Norwegische Zollsätze finden Sie beim norwegischen Zoll (Tolletaten). Aktuelle Zollsätze für Importe in die EU prüfen Sie über die TARIC-Datenbank.

Der Präferenznachweis: So sichern Sie sich die Zollfreiheit

Die Zollfreiheit für Industriewaren ist kein Automatismus – sie muss aktiv nachgewiesen werden. Ohne Präferenznachweis wird der reguläre Zollsatz berechnet. Die Ursprungsregeln sind in Protokoll 4 des EWR-Abkommens definiert.

Welche Nachweise gibt es?

NachweisWann verwendenAusgestellt vonGültigkeit
EUR.1
EinzelsendungenIHK oder Zollamt4 Monate
Ursprungserklärung
Sendungen bis 6.000 EURExporteur selbst4 Monate
Ermächtigter Ausführer
Ohne WertgrenzeExporteur mit Bewilligung4 Monate
Die Ursprungsangabe im EWR-Handel lautet «EWR» oder «EEA» (nicht «EU» oder «Deutschland»)
Für die Kumulierung gelten erweiterte Regeln: Vormaterialien aus allen EWR-Staaten können angerechnet werden
Ohne Präferenznachweis wird der MFN-Zollsatz angewendet – in der EU bis zu 12 %

Praxis-Tipp

Stellen Sie den Präferenznachweis VOR dem Export aus. Eine nachträgliche Ausstellung ist zwar möglich, verursacht aber Verzögerungen und zusätzlichen Aufwand. Bei regelmäßigem Export nach Norwegen lohnt sich die Bewilligung als Ermächtigter Ausführer. Weitere Informationen finden Sie beim deutschen Zoll.

Rechenbeispiel: So kalkulieren Sie die Einfuhrabgaben

Drei Rechenbeispiele zeigen, wie sich die Einfuhrabgaben im Handel mit Norwegen zusammensetzen.

Beispiel 1: Export von Maschinen nach Norwegen (zollfrei)

CNC-Fräsmaschine nach Oslo

HS-Code: 8459.61 – EWR-Präferenz: Zollsatz 0 %

PositionWert
Warenwert (FCA München)50.000,00 €
Frachtkosten (LKW bis Oslo)1.800,00 €
Versicherung300,00 €
Zollwert (CIF Oslo)52.100,00 €
Zollsatz (EWR-Präferenz): 0 %0,00 €
Bemessungsgrundlage MVA52.100,00 €
MVA (25 %)13.025,00 €
Gesamte Einfuhrabgaben in Norwegen13.025,00 €

Beispiel 2: Import von Lachs aus Norwegen nach Deutschland

Frischer Lachs aus Bergen

HS-Code: 0302.14 – EWR-Präferenz, Kontingent: 0 %

PositionWert
Warenwert (FCA Bergen)30.000,00 €
Frachtkosten (Kühltransport bis Hamburg)2.200,00 €
Versicherung400,00 €
Zollwert (CIF Hamburg)32.600,00 €
Zollsatz (EWR-Kontingent): 0 %0,00 €
Bemessungsgrundlage EUSt32.600,00 €
EUSt (7 % für Lebensmittel)2.282,00 €
Gesamte Einfuhrabgaben in Deutschland2.282,00 €

Beispiel 3: Export von Käse nach Norwegen (mit Zoll)

Allgäuer Käse nach Oslo (Agrarprodukt)

Käse, außerhalb Kontingent – gewichtsbasierter Zollsatz ca. 27,16 NOK/kg

PositionWert
Warenwert (FCA Allgäu)8.000,00 €
Frachtkosten (LKW bis Oslo)1.200,00 €
Versicherung150,00 €
Zollwert9.350,00 €
Geschätzter Zoll (500 kg × 27,16 NOK/kg)ca. 1.200,00 €
Bemessungsgrundlage MVAca. 10.550,00 €
MVA (15 % für Lebensmittel)ca. 1.583,00 €
Gesamte Einfuhrabgaben (geschätzt)ca. 2.783,00 €

Beispiel 1 zeigt: Bei EWR-Industriewaren fällt kein Zoll an, aber die norwegische MVA von 25 % ist ein erheblicher Kostenfaktor. Beispiel 2 zeigt: Norwegischer Fisch kommt dank EWR-Kontingenten oft zollfrei in die EU. Beispiel 3 zeigt: Bei Agrarprodukten können die norwegischen Schutzzölle die Kalkulation sprengen.

Dokumente für den Handel mit Norwegen

Obwohl Norwegen im EWR ist, gilt es zollrechtlich als Drittland. Die Dokumentenpflichten entsprechen daher denen eines Drittlandexports.

A) Export aus Deutschland nach Norwegen – Pflichtdokumente

EORI-Nummer

Pflicht für jede Ausfuhr aus der EU. Kostenlos beim deutschen Zoll beantragbar.

Ausfuhranmeldung (ATLAS)

Elektronisch ab 1.000 EUR Warenwert Pflicht. Norwegen ist zollrechtlich ein Drittland.

Handelsrechnung (Commercial Invoice)

Warenbeschreibung, Wert, Incoterms, HS-Code.

Packliste

Detaillierte Aufstellung der Sendung.

Präferenznachweis (EUR.1 / Ursprungserklärung)

Für Zollfreiheit bei Industriewaren. Ohne Nachweis wird Zoll erhoben.

Zolltarifnummer (HS-Code)

Die korrekte 8-stellige Warennummer für die Ausfuhranmeldung.

Frachtbrief (CMR / B/L / AWB)

Je nach Transportweg: LKW, See oder Luft.

B) Zusätzlich je nach Ware

CE-Kennzeichnung

Norwegen übernimmt EU-Produktvorschriften über das EWR-Abkommen

Veterinärzertifikat

Bei Lebensmitteln tierischen Ursprungs

Pflanzenschutzzeugnis

Bei pflanzlichen Produkten

Sicherheitsdatenblatt

Bei Gefahrstoffen und Chemikalien

Dual-Use-Genehmigung

Bei Gütern mit doppeltem Verwendungszweck

C) Import aus Norwegen nach Deutschland – Pflichtdokumente

EORI-Nummer

Pflicht für jede Einfuhr in die EU.

Einfuhrzollanmeldung (ATLAS)

Über Spediteur oder Zollagent.

Handelsrechnung

Vom norwegischen Lieferanten.

Präferenznachweis

Für Zollfreiheit bei Industriewaren.

Zolltarifnummer

Die korrekte Warennummer.

Frachtbrief

Je nach Transportweg.

Drittland-Status

Obwohl Norwegen im EWR ist: Im Warenverkehr gilt Norwegen zollrechtlich als Drittland. Das bedeutet: Ausfuhranmeldung in Deutschland und Einfuhrzollanmeldung in Norwegen sind Pflicht – genau wie beim Export nach China oder in die USA. Der Unterschied: Der Zollsatz ist bei Industriewaren 0 %. Beantragen Sie Ihre EORI-Nummer rechtzeitig.

Häufige Fehler im Handel mit Norwegen

Diese Fehler kommen im Norwegen-Handel regelmäßig vor und lassen sich vermeiden:

FehlerFolgeSo vermeiden Sie ihn
Kein Präferenznachweis
MFN-Zollsatz statt 0 %
EUR.1 oder Ursprungserklärung VOR dem Versand ausstellen
Ausfuhranmeldung vergessen
Bußgeld bis 5.000 EUR (§ 382 AO)
Jede Lieferung über ATLAS anmelden (ab 1.000 EUR)
Falsche Zolltarifnummer
Nacherhebung, falsche Zollberechnung
Warennummer vorab prüfen – mit KI oder EZT-Online
Norwegen wie EU-Land behandelt
Sendung wird an der Grenze gestoppt
Norwegen ist KEIN EU-Land – Zollformalitäten beachten
MVA-Registrierung vergessen
Steuernachforderung durch NO-Behörden
Ab 50.000 NOK Jahresumsatz MVA-Registrierung prüfen
Agrarprodukte ohne Kontingentprüfung
Unerwartete Zölle über 100 %
Norwegischen Zolltarif und Kontingente vorab prüfen
Incoterms unklar vereinbart
Streit über Kosten, Risiko, Zollabwicklung
DAP oder DDP für Norwegen klar im Vertrag regeln

Schritt-für-Schritt: Ablauf eines Exports nach Norwegen

Schritt 1

Zolltarifnummer ermitteln

Bestimmen Sie die korrekte Zolltarifnummer für Ihre Ware. Der Code bestimmt den Zollsatz und eventuelle Einfuhrbeschränkungen in Norwegen.

Schritt 2

Präferenzursprung prüfen

Hat Ihre Ware EWR-Ursprung? Prüfen Sie anhand der Ursprungsregeln in Protokoll 4 des EWR-Abkommens.

Schritt 3

Präferenznachweis ausstellen

EUR.1 bei der IHK oder dem Zollamt beantragen. Alternativ: Ursprungserklärung auf der Rechnung (bis 6.000 EUR) oder als Ermächtigter Ausführer.

Schritt 4

Handelsrechnung und Packliste erstellen

Mit allen relevanten Angaben: Warenbeschreibung, HS-Code, Wert, Gewicht, Incoterms.

Schritt 5

Ausfuhranmeldung über ATLAS abgeben

Pflicht ab 1.000 EUR Warenwert. In der Regel über Ihren Spediteur.

Schritt 6

Transport organisieren

LKW-Fracht (3–5 Tage DE–NO), Seefracht (5–8 Tage), Luftfracht (1–2 Tage). Grenzübertritt typischerweise über Schweden oder Dänemark (Fähre).

Schritt 7

Norwegische Zollabwicklung

Der norwegische Importeur oder sein Zollagent meldet die Ware beim Tolletaten an. Ab Herbst 2026 über das Digitoll-System.

Schritt 8

MVA und ggf. Zoll zahlen

Die norwegische MVA (25 % Standard) wird bei der Einfuhr fällig. Bei Industriewaren mit Präferenz: kein Zoll. Gewerbliche Importeure können die MVA als Vorsteuer geltend machen.

VOEC: Vereinfachte Steuerregistrierung für den Online-Handel

Für deutsche Online-Händler, die direkt an norwegische Privatkunden (B2C) verkaufen, gibt es das VOEC-System (VAT on E-Commerce):

VOEC gilt für B2C-Verkäufe von Waren bis 3.000 NOK (ca. 260 EUR) Warenwert
Der Händler registriert sich freiwillig bei der norwegischen Steuerbehörde (Skatteetaten)
Der Händler berechnet dem Kunden die norwegische MVA (25 %) beim Kauf und führt sie quartalsweise ab
Vorteil: Keine Zollabfertigung beim Import, die Ware geht direkt durch
Ausgenommen: Lebensmittel, Alkohol, Tabak und Waren über 3.000 NOK

Wann ist VOEC relevant?

  • Sie verkaufen über einen eigenen Online-Shop nach Norwegen
  • Sie verkaufen über Marktplätze, die VOEC nicht selbst abführen
  • Ihr Umsatz in Norwegen übersteigt 50.000 NOK pro 12 Monate

VOEC ist empfehlenswert

VOEC ist freiwillig, aber empfehlenswert: Ohne VOEC-Registrierung muss der norwegische Käufer die MVA selbst beim Zoll entrichten und ggf. eine Zollgebühr zahlen. Das führt zu Retouren und Beschwerden. Die Registrierung erfolgt online über die norwegische Steuerbehörde (Skatteetaten).

Besondere Regelungen für typische Handelspartner-Branchen

Maschinen- und Anlagenbau

Zollfrei mit EWR-Präferenz
CE-Kennzeichnung wird über EWR anerkannt – keine zusätzliche norwegische Zertifizierung nötig
Bei Offshore-Ausrüstung (Öl/Gas): Besondere Einfuhrregelungen und temporäre Zolllager möglich

Fisch und Meeresfrüchte

Lachs ist Norwegens wichtigstes Exportgut – über 1 Million Tonnen jährlich
EU-Zollkontingente: Innerhalb der Kontingente zollfrei oder stark reduziert
Außerhalb der Kontingente: Zollsätze von 2–15 % auf Fischprodukte
Veterinärkontrollen an der EU-Außengrenze sind Pflicht (Grenzkontrollstelle/BIP)

Chemie und Pharma

Zollfrei mit EWR-Präferenz
Norwegen übernimmt EU-Chemikalienverordnung REACH und CLP
Arzneimittel: Norwegische Arzneimittelbehörde (Direktoratet for medisinske produkter – DMP) erkennt EU-Zulassungen an

Öl- und Gasausrüstung

Norwegen ist Europas größter Öl- und Gasproduzent
Ausrüstung und Ersatzteile für den Offshore-Sektor sind zollfrei
Temporäre Einfuhr für Serviceeinsätze möglich (ATA Carnet oder vorübergehende Verwendung)

Lebensmittel (Richtung Norwegen – Vorsicht!)

Norwegens Agrarpolitik schützt heimische Produzenten – Zölle auf Fleisch, Milch und Getreide können über 300 % betragen
Für einige EU-Produkte bestehen Zollkontingente mit reduziertem Satz
Einfuhr von Kartoffeln nach Norwegen ist grundsätzlich verboten – nur mit Sondergenehmigung des Landwirtschaftsministeriums möglich

Fazit

Zusammenfassung: Handel mit Norwegen richtig vorbereiten

Das EWR-Abkommen macht den Handel mit Norwegen für deutsche Unternehmen attraktiv: Industriewaren sind beidseitig zollfrei, technische Vorschriften weitgehend harmonisiert. Trotzdem bleibt Norwegen zollrechtlich ein Drittland – Ausfuhranmeldung, Einfuhrzollanmeldung und Präferenznachweise sind Pflicht. Achten Sie auf die korrekte Zolltarifnummer und den Ursprungsnachweis, um die Zollfreiheit zu sichern. Bei Agrarprodukten prüfen Sie vorab die norwegischen Schutzzölle.

ZollNorwegenEWREFTAImportExportZolltarifnummer

Über den Autor

Tom Bössow
Tom Bössow

Gründer von zolltarifnummer.com

Tom bringt über fünf Jahre Erfahrung im Logistik- und Speditionswesen mit und entwickelt KI-gestützte Lösungen für die Zolltarifierung. Er hilft Unternehmen, die richtigen Zolltarifnummern zu finden und Importprozesse zu optimieren.

Häufige Fragen

FAQ zum Zoll bei Import und Export mit Norwegen

Ist Norwegen in der EU?

Nein, Norwegen ist kein EU-Mitglied. Norwegen gehört aber zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und ist EFTA-Mitglied. Dadurch können Industriewaren zwischen der EU und Norwegen zollfrei gehandelt werden. Für Agrarprodukte und Fisch gelten Sonderregelungen.

Fällt Zoll an bei Lieferungen nach Norwegen?

Für Industriewaren mit EWR-Ursprung fällt kein Zoll an, wenn ein gültiger Präferenznachweis (EUR.1 oder Ursprungserklärung) vorliegt. Für Agrarprodukte und Fisch erhebt Norwegen eigene Zölle, die sehr hoch ausfallen können. Die norwegische Mehrwertsteuer (MVA) von 25 % wird in jedem Fall fällig.

Brauche ich eine Ausfuhranmeldung für Norwegen?

Ja, Norwegen gilt zollrechtlich als Drittland. Ab einem Warenwert von 1.000 EUR ist eine elektronische Ausfuhranmeldung über ATLAS Pflicht. Das gilt auch, obwohl Norwegen im EWR ist. Ohne Ausfuhranmeldung droht ein Bußgeld.

Was ist ein Präferenznachweis und wofür brauche ich ihn?

Der Präferenznachweis belegt, dass Ihre Ware EWR-Ursprung hat und damit Anspruch auf Zollfreiheit besteht. Gängige Formen sind die Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 (über IHK oder Zollamt) oder eine Ursprungserklärung auf der Rechnung. Ohne Nachweis wird der reguläre Zollsatz berechnet.

Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in Norwegen?

Die norwegische Mehrwertsteuer (MVA – Merverdiavgift) beträgt 25 % (Standardsatz). Für Lebensmittel gilt ein ermäßigter Satz von 15 %, für Personenbeförderung, Kino und Hotelübernachtungen 12 %. Die MVA wird bei der Einfuhr auf den Zollwert plus eventuellem Zoll berechnet.

Wie finde ich die richtige Zolltarifnummer für den Export nach Norwegen?

Die Zolltarifnummer basiert auf dem internationalen HS-Code und ist in den ersten 6 Stellen weltweit identisch. Sie können die Nummer im EZT-Online nachschlagen oder unsere KI-gestützte Suche auf zolltarifnummer.com nutzen. Geben Sie Ihre Produktbeschreibung ein und erhalten Sie den passenden Code.

Was ist der Unterschied zwischen EWR und EU beim Zoll?

Die EU ist eine Zollunion: Innerhalb der EU fallen keine Zölle an und Waren müssen nicht angemeldet werden. Der EWR ist keine Zollunion: Waren müssen an der Grenze angemeldet werden, auch wenn der Zollsatz 0 % beträgt. Zudem deckt der EWR keine gemeinsame Agrarpolitik ab.

Brauche ich eine EORI-Nummer für den Handel mit Norwegen?

Ja, die EORI-Nummer ist Pflicht für jede Aus- und Einfuhr in der EU. Sie beantragen sie kostenlos beim deutschen Zoll. Ohne EORI-Nummer kann keine Ausfuhr- oder Einfuhranmeldung abgegeben werden.

Was ist VOEC und wann brauche ich die Registrierung?

VOEC (VAT on E-Commerce) ist eine vereinfachte norwegische MVA-Registrierung für ausländische Online-Händler. Sie gilt für B2C-Verkäufe bis 3.000 NOK Warenwert. Ab 50.000 NOK Jahresumsatz in Norwegen ist eine MVA-Registrierung in jedem Fall erforderlich.

Welche Zölle erhebt Norwegen auf Lebensmittel?

Norwegen schützt seine Landwirtschaft mit sehr hohen Einfuhrzöllen. Fleisch, Milchprodukte und Getreide können Zollsätze von über 300 % haben. Für einige EU-Produkte gibt es Zollkontingente mit reduziertem Satz. Die Einfuhr von Kartoffeln ist grundsätzlich verboten und nur mit Sondergenehmigung möglich.

Kann ich die Einfuhrumsatzsteuer bei Importen aus Norwegen als Vorsteuer abziehen?

Ja, gewerbliche Importeure mit Vorsteuerabzugsberechtigung können die bei der Einfuhr gezahlte Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) als Vorsteuer in der Umsatzsteuer-Voranmeldung geltend machen. Der Zoll selbst ist dagegen nicht vorsteuerabzugsfähig.

Wie lange dauert der Transport von Deutschland nach Norwegen?

Per LKW über Schweden 3–5 Tage, per Fähre ab Kiel nach Oslo ca. 20 Stunden (plus Vor-/Nachlauf), per Seefracht 5–8 Tage, per Luftfracht 1–2 Tage. Für die Zollabwicklung in Norwegen rechnen Sie mit 1–2 Werktagen bei vollständigen Dokumenten.

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